Musik des 20. Jahrhunderts war für Yuja Wang lange ein Buch mit sieben Siegeln. In ihrer chinesischen Heimat waren die Partituren von Strawinsky und Zeitgenossen nicht zu bekommen. Vielleicht ist dieser erste, frische Blick das Erfolgsgeheimnis der jungen Pianistin, wenn sie nun Kompositionen von Ravel und Strawinsky einspielt und sie in intelligenter Kontrast- und Ergänzungswirkung mit Kompositionen von Brahms und Scarlatti aufnimmt. Die Vielfalt wirkt wie ein ungestümer Versuch, alles nachzuholen, was die Künstlerin unter den Fittichen ihres Lehrers Gary Graffman in Philadelphia kennengelernt hat. Der Pädagoge brachte ihr die Klavierfassung von Strawinskys "Petruschka" nahe, das Yuja Wang bis dahin noch nie gehört hatte. Freilich hat ihr zweites Album nichts von tastendem Suchen, nichts vom Habitus einer Lernenden. Ihre Meisterschaft zeigt sich in jeder Note des unter ihren Händen farbigen, vielschichtigen Klavierklangs. "Die Werke sind dynamisch, so vital", sagt die Pianistin. "Das liegt mir." Und es hat sie zu einer Interpretation inspiriert, in der jugendliches Feuer, verbunden mit technischer Brillanz, wahre Triumphe feiert. Brahms' "Paganini-Variationen" wirken wie ein gewaltiges Präludium zu Ravels Endzeit-Allegorie "La Valse", wo der Komponist den Untergang einer ganzen Epoche dargestellt hat. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis der Pianistin: Sie legt es konsequent darauf an, ihren eigenen Weg zu finden und verzichtete auf das Studium anderer Aufnahmen.
"Transformation" von Yuja Wang Fr. 34.00 bestellen
Yuja Wang auf dem Internet: www.yujawang.com
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